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Teil 9 - Die Dienstgrade

Uniform - das bedeutet, jeder trägt die gleiche Hose, die gleiche Jacke, die gleiche Mütze. Sie verhilft den Trägern zu einem Zusammengehörigkeitsgefühl und man gibt sich nach Außen als Einheit. Doch schnell hat der Jungehrengardist oder -offizier den kleinen aber feinen Unterschied an jeder Uniformjacke entdeckt: die Schulterstücke. Sie zeigen die jeweiligen Dienstgrade an, die wir Ihnen hier genauer vorstellen möchten.

Zu Beginn einer jeden Laufbahn steht das einfachste aller Schulterstücke. In der Ehrengarde startet man als Ehrengardist; schlägt man die Offizierslaufbahn ein, beginnt man als Leutnant. Die erste Beförderungsstufe zeigen zwei gekreuzte Gewehre auf den Schulterstücken an, man ist nun Oberehrengardist. Ein Pendant bei den Offizieren gibt es dazu nicht. Von nun an sind die Dienstgrade von Ehrengarde und Offiziere identisch. Ziert das Schulterstück ein Stern, so ist man Oberleutnant, bei zwei Sternen Hauptmann.

Steht die nächste Beförderung an, so wird das gesamte Schulterstück ausgetauscht und man bekommt das "Spritzgebäck" auf die Schultern: ein fünfbogiges silbernes Geflecht, was den Status eines Majors kennzeichnet. Nun wird wieder mit Sternen befördert: mit einem Stern wird man Oberstleutnant, mit zwei Sternen Oberst.

Ist man weiterhin aktiv, bekommt der Uniformschneider viel Arbeit: das silberne Geflecht wird gegen ein goldenes ausgetauscht und man darf sich nun General nennen. Zum Schulterstück werden auch alle silbernen Uniformteile gegen goldene ausgetauscht. Das beginnt bei der Fangschnur an der Brust und dem Eichenlaub am Rever und endet bei sämtlichen Knöpfen und der Paspel am Kragen. Auch als General kann man mit weiteren Sternen befördert werden.

Wie jeder ehemalige Soldat schnell erkennt, sind die Dienstgrade dem Militär entnommen; allerdings sehen die Schulterstücke der Bundeswehr anders aus und haben jeweils einen Stern mehr. Schaut man sich jedoch die Schulterstücke im Deutschen Kaiserreich von 1871 an, so erkennt man unsere Dienstgrade sofort wieder. Dies liegt daran, dass der Vorläufer des Heimatvereins; der Kriegerverein Marienfeld, ebenfalls 1871 gegründet wurde. Außerhalb der militärischen Dienstgrade trägt der Vereinsvorstand ebenfalls das Majorsgeflecht auf den Schultern, welches aber zusätzlich zweifach umrandet ist.

Aber wer ist denn nun der jeweils ranghöchste Uniformträger? In der Ehrengarde dient der Kommandeur Hugo Brickenkamp im Rang eines Majors, bei den Offizieren ist es Oberst Hermann Fechtelkord. Schaut man in die Historie des Heimatvereins Marienfeld, so findet man dort den General Hermann Homeyer und den Generalfeldmarschall Ludwig Bornhorst als ranghöchste Offiziere der Vereinsgeschichte.

Und wie schaut es mit der Beförderungspraxis aus? Nach einiger Zeit kann man bei guter Führung und großem Engagement im Verein mit einer Beförderung rechnen. Spricht der Kommandeur Beförderungsstopp wegen ungebührlichem Verhalten aus oder man glänzt durch Abwesenheit, kann sich die Beförderung auch weiter hinauszögern. Viele Offiziere sind ehemalige Ehrengardisten. Beim Wechsel der Uniform wird der Dienstgrad der Ehrengarde übernommen.

Unsere Vereinsmusiker in Blasorchester und Spielmannszug kennen diese Dienstgrade übrigens nicht. Allerdings ist die Funktion des Tambourmajors an die Dienstgrade angelehnt. Wenn Ihnen nun auf dem Schützenfest ein Uniformierter begegnet, genügt ein Blick auf die Schulter und Sie kennen sofort den Dienstrang und können seine Einsatzbereitschaft beziehungsweise Dienstlänge beurteilen.

Daniel Brockpähler